Kunststoffrecycling ist möglich und sinnvoll, wenn der Kunststoff sortenrein vorliegt. Und: der Kunststoff-Abfall macht nur zwei Prozent des bundesdeutschen Abfalls aus, auch wenn Kunststoff allgegenwärtig in unserem Alltag ist. Diese zwei Kernaussagen traf der in Hockenheim wohnende Entsorgungsfachmann Georg Eicker bei der jüngsten Veranstaltung der CDU Hockenheim im „Rondeau“.

Eingangs konnte die stellvertretende Vorsitzende Bärbel Hesping eine interessierte Zuhörerschaft begrüßen, darunter mit Renate und Jürgen Rottmayer zwei Vertreter der Grünen Engel, die dem Müll den Kampf angesagt haben und die Hockenheimer zum Mitmachen bewegen möchten. „476 Kilogramm Haushaltsabfall pro Jahr produziert jeder Deutsche im Schnitt. In den Corona-Jahren ist die Menge sogar deutlich angestiegen“, so Hesping. Damit sei Deutschland der fünftgrößte Müllproduzent weltweit.
Seit 1993 ist der aus Essen stammende Georg Eicker in verschiedenen Entsorgungsunternehmen tätig gewesen, ehe er sich 2021 für die Geschäftsführerposition in einem mittelständischen Heilbronner Unternehmen entschied.
Rund 360 Millionen Tonnen Abfall seien 2019 in Deutschland angefallen. 65% davon machten Bau- und Abbruchabfall aus, wovon 88% wiederverwertet werden. Mit 6,3 Millionen Tonnen entfielen nur zwei Prozent des gesamten Abfalls auf den Kunststoffabfall. 57% davon werden thermisch verwertet, also verbrannt, der Rest wird recycelt. „Nur auf den ersten Blick sieht das relativ gut. Denn es ist die Frage, wie und wo das Recycling stattfindet“, so Eicker.
Denn rund 600.000 Tonnen Kunststoffabfall gingen zum Recycling ins Ausland, vor allem nach Malaysia, Thailand und Vietnam. „Und das ist der Abfall, der Probleme macht. Für das Kunststoffrecycling wird viel Wasser verbraucht, und wo in diesen Ländern das Abwasser hingeht, und was mit dem nicht wiederverwertbaren Kunststoffabfall passiert, darüber können wir nur spekulieren“, so der 55jährige. Es werde wohl kaum ein Zufall sein, dass die Länder, die viel Müll importierten, auch sehr viel Müll über das Meer entsorgten. Bereits heute befänden sich geschätzte 100-140 Millionen Tonnen Kunststoffabfall in den Weltmeeren, jedes Jahr kämen weitere 10 Millionen Tonnen hinzu.
Kann Kunststoffrecycling funktionieren? Das Pfandflaschen-Recycling funktioniere in Deutschland problemlos. Dank des Pfandsystems liege der Abfall sortenrein vor - ein Paradebeispiel für einen geschlossenen Recyclingkreislauf.
Auch wenn das EU-weite Verbot leichter Plastiktüten ein richtiger Schritt sei, so werde die Bedeutung für den Umweltschutz überschätzt. Denn leichte Plastiktüten machten weniger als 1% des gesamten Kunststoffabfalls in Deutschland aus.
Was kann eine Kommune wie Hockenheim tun – diese Frage hatte der Abfallexperte von den CDU-Verantwortlichen mitbekommen. „Jede Kommune könnte bei öffentlichen Ausschreibungen den Einsatz von Recyclingprodukten fordern, auch wenn es etwas mehr kostet“, so Eicker. Denn: eine steigende Nachfrage führe letztendlich auch zu einer Erhöhung des Angebots und somit zu fallenden Produktionskosten.
Weiterhin sprach er sich dafür aus, die Bürger über die Folgen der Abfallerzeugung immer wieder aufzuklären. Und: illegale Abfallablagerungen sollten umgehend entsorgt werden, denn Abfall ziehe Abfall an, so die einfache Begründung.
Eine Erfahrung, die die beiden Grünen Engel nur zu gut bestätigen konnten, und die deswegen wild abgelagerten Abfall -auch dank der tatkräftigen Mithilfe des Bauhofs- sofort entsorgen würden. Würden mehr Mülleimer in Hockenheim helfen? „Nicht unbedingt“, so Jürgen Rottmayer, „wir stellen immer wieder fest, dass der Müll direkt neben dem Mülleimer hingeworfen wird“. Zudem gäbe es in der Rennstadt bereits 2.000 Abfallbehälter.
Zum Abschluss des mit viel Applaus bedachten Vortrags konnte Bärbel Hesping einen kleinen Präsentkorb mit lokalen und fair gehandelten Geschenken an Georg Eicker überreichen.

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